Seite 139 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

Basic HTML-Version

DAS BAYERISCHE WIRTSCHAFTSARCHIV
137
Die Fotografie von 1903 zeigt die Abfüllerei im Lagerkeller von
Löwenbräu.
Unternehmensgeschichte wie etwa das „Brüllverbot“ für den
mechanischen Löwen über dem Löwenbräu-Festzelt auf dem
Oktoberfest aus dem Jahr 1952.
Unter dem Motto „Zu retten, was zu retten ist“ hat das Baye-
rische Wirtschaftsarchiv eine wichtige Rolle als Auffangstel-
le für gefährdetes Archivgut bei wirtschaftlichen Flauten und
Rezessionen. So sicherten die Archivmitarbeiter etwa einzig-
artige Altbestände bei Betriebsschließungen in der bayerischen
Textilindustrie, vom Pfersee-Kolbermoor-Konzern über die
Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) bis hin zur Füssener
Textil AG, deren Wurzeln in das Jahr 1855 zurückreichen. Zu
den besonderen Fundstücken gehört der Vertrag, den der eng-
lische Textilmaschinenhersteller Platt Brothers 1862 mit dem
Monteur Charles Bradley über die Aufstellung der Maschinen
bei der Spinnerei Kolbermoor abschloss.
Darüber hinaus richtet sich das Augenmerk des Bayerischen
Wirtschaftsarchivs auf die Gewinnung von Nachlässen bedeu-
tender Persönlichkeiten des bayerischen Wirtschaftslebens.
Einen wertvollen Zugang bilden die Materialien und Doku-
mente der Verlegerfamilie Schwingenstein, die am Wiederauf-
bau der freien Presse in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg
mitwirkte. August Schwingenstein war einer der drei Lizenzträ-
ger der „Süddeutschen Zeitung“, sein Sohn Alfred gehörte von
Anfang an der Geschäftsführung der Zeitung an.
Umfangreiche Sammlungen mit Firmenschriften, Geschäftsbe-
richten bayerischer Unternehmen oder Dekorativem wie alten
Briefbögen und Postkarten ergänzen den Bestand des Wirt-
schaftsarchivs. Dazu zählen auch die farbenprächtigen Werbe-
marken, die ihre Blütezeit zwischen 1900 und 1914 hatten. Jung
und Alt sammelten damals leidenschaftlich und klebten die
Vignetten in große Alben ein.
SERVICE FÜR WIRTSCHAFT UND WISSENSCHAFT
Mit seinem riesigen Quellenfundus versteht sich das Bayerische
Wirtschaftsarchiv als Partner von Wirtschaft und Wissenschaft.
Auf die Bestände können Unternehmen und Verbände bei der
Vorbereitung von Jubiläen, für Festschriften oder Werbemaß-
nahmen zurückgreifen. Zugleich ist das Wirtschaftsarchiv An-
laufstelle für wirtschafts-, technik- und sozialgeschichtliche,
aber auch heimatkundliche Forschung. Dabei wird guter Service
mit hoher Benutzerfreundlichkeit und großer Sachkompetenz
bei den Archivmitarbeitern großgeschrieben. Frühzeitig setzte
das Bayerische Wirtschaftsarchiv auf das Medium Internet.
Unter der Adresse www.bwa.findbuch.net finden sich alle vor-
handenen Bestände mit detaillierten Angaben zum „Bestands-
bildner“ und zum Inhalt. Für die Recherchen stehen Online-
datenbanken im Netz. Die Präsentation im World Wide Web
ist auch Bestandteil des umfassenden Qualitätsmanagementsys-
tems, das das Bayerische Wirtschaftsarchiv 2008 aufbaute. Es ist
heute eines der wenigen nach dem neuen Standard DIN EN ISO
Norm 9001: 2008 zertifizierten Archive in Deutschland.