Seite 138 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

Basic HTML-Version

136
DAS BAYERISCHE WIRTSCHAFTSARCHIV
rung des Gewerbefleißes“ unterstützen. Als Körperschaften des
öffentlichen Rechts entwickelten sie sich zu einer wichtigen
Schaltstelle zwischen Staat und Wirtschaft. Sie vertreten das
Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft ihres jeweiligen
Bezirks. Dem breiten Aufgabenspektrum entsprechend, bieten
diese Bestände eine reichhaltige Quellengrundlage zu den unter-
schiedlichsten Themen, so etwa zur Handels- und Gewerbege-
setzgebung, zum Geld- und Kreditwesen, zur Außenwirtschaft,
zum Post- und Eisenbahnverkehr, aber auch zur Organisation
der Wirtschaft während des Ersten Weltkriegs oder in der Zeit
des Nationalsozialismus. Darüber hinaus enthalten die Akten
eine Vielzahl an Informationen über kammerzugehörige Unter-
nehmen. Eine wichtige Ergänzung bilden die Quellenzeugnisse
des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags, der 1909
„als berufene Vertretung des Gesamtwillens der bayerischen
Handels- und Industriekreise“ ins Leben gerufen wurde.
Neben den öffentlich-rechtlichen Selbstverwaltungsorganisa-
tionen hat das Bayerische Wirtschaftsarchiv auch Vereine und
Verbände der Wirtschaft im Blick. Es verwahrt derzeit die
Überlieferung von 25 Organisationen und nimmt damit eine
führende Stellung unter den elf regionalen Wirtschaftsarchiven
in Deutschland ein. Von besonderer Bedeutung sind dabei die
ehemaligen Spitzenverbände, nämlich die Vereinigung der baye-
rischen Arbeitgeberverbände (VAB) als Dachorganisation der
sozialpolitischen Verbände sowie der Landesverband der Baye-
rischen Industrie (LBI) als Zusammenschluss der wirtschaftspo-
litischen Unternehmensvereinigung. 1998 fusionierten sie zur
Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw). Daneben finden
sich aber auch so traditionsreiche alte Verbindungen wie die Lin-
dauer Sünfzen-Gesellschaft oder die „löbl. Gesellschaft auf der
Kauffleuth-Stuben“ in Augsburg.
Eine dritte Zielgruppe sind Betriebe und Unternehmen, die
mit dem Strukturwandel Bayerns zur leistungsstarken Indus-
trie- und Dienstleistungsregion eng verknüpft sind. Mit seinen
Beständen will das Bayerische Wirtschaftsarchiv diese Verände-
rung dokumentieren. Wichtiger Grundstock beim Ausbau des
Archivs war die Überlieferung der Löwenbräu AG, die bis in das
Gründungsjahr der Gesellschaft 1872 zurückreicht. Akten und
Geschäftsbuchserien, Werbemittel und wertvolle Fotomateri-
alien belegen eindrucksvoll den Übergang vom Brauhandwerk
zur international agierenden Bierfabrik. Dieser Bestand ist aber
auch eine Fundgrube für Begebenheiten am Rande der großen
Anruf genügt, wenn in der Küche der Ofen ausgeht.
Mit dieser Reklamemarke warb die Augsburger Koh-
lenhandlung Klein & Küchle um 1900.
Mit der „License No. 1“ der amerikanischen Militärregierung konnte
die Süddeutsche Zeitung ab 6. Oktober 1945 wieder erscheinen.