Seite 136 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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DAS BAYERISCHE WIRTSCHAFTSARCHIV
Briefkopf der Nürnberger Maschinenfabrik F. Fleischmann, 1898
en in meiner Fabrik beschäftigten Lehrlingen ist nach
Gebetläuten der Besuch der Gasthäuser (ausgenom-
men in Begleitung der Eltern) strengstens untersagt.
Ferner ist die Beteiligung am Spiel auf den Kegelbah-
nen gleichfalls verboten.“ So ordnete ein strenger bayerischer
Fabrikherr um 1875 an. Dass Raritäten wie dieses Dokument
nicht der Vergessenheit anheimfallen, dafür sorgt das Bayeri-
sche Wirtschaftsarchiv (BWA). Dort befinden sich mehr als
200 Archivbestände traditionsreicher Unternehmen und Wirt-
schaftsorganisationen aus ganz Bayern, vom mainfränkischen
Schiffbau über die schwäbische Textilindustrie bis hin zum
oberbayerischen Braugewerbe. In den „Schatzkammern“ des
Archivs lagern auf rund 5500 Regalmetern wertvolle historische
Bild-, Schrift- und Tondokumente.
Nach langer Vorarbeit nahm das Projekt „Bayerisches Wirt-
schaftsarchiv“ 1994 Gestalt an. Die bayerischen Industrie- und
Handelskammern entschlossen sich, ein regionales und bayern-
weit tätiges Wirtschaftsarchiv als Gemeinschaftseinrichtung zu
tragen. DemGedanken der Selbstverwaltung der Wirtschaft ver-
pflichtet, machten sie sich gemeinschaftlich die Obsorge um die
Erhaltung wichtiger Quellenzeugnisse der Wirtschaftsgeschich-
te Bayerns zu eigen. Beim Festakt zur Gründung überbrachte der
damalige Wirtschaftsminister Otto Wiesheu die Glückwünsche
der Staatsregierung: „Wir begrüßen die Initiativen und Aktivi-
täten der bayerischen Industrie- und Handelskammern zur Ret-
tung, Sicherung und Erschließung von Archivmaterialien aus
Bayerns Wirtschaft, aus Kammern und Verbänden.“
„GEDÄCHTNIS“ DER WIRTSCHAFT
Mit der Pflege des Archivguts der Wirtschaft bieten die Indus-
trie- und Handelskammern ihren Unternehmen einen wert-
vollen Service und erfüllen damit eine wichtige Kernaufgabe in
ihrem Leistungsspektrum. Der Überlieferung aus der Wirtschaft
kommt in zweifacher Hinsicht große Bedeutung zu. Zum einen
ist sie der „Erinnerungsspeicher“ ihrer jeweiligen Entstehungs-
stelle. Sie bildet ein unverzichtbares Fundament für die Kenntnis
der eigenen Geschichte, sie dient der Rechtssicherung, sie bietet
wichtige Argumentationshilfen für aktuelle Entscheidungspro-
Das Bayerische Wirtschaftsarchiv –
Tradition mit Zukunft
Eva Moser
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