Seite 135 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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besonderer Reiz darin, dass der themengebende Werkstoff in
Architektur und Raumgestaltung zum Einsatz kommt. Die Aus-
stellung präsentiert Glaskunst und Gebrauchsglas in immenser
historischer und thematischer Vielfalt, von antiken Glasperlen
über gotische Glasmalereien und schillernde Gläser des Jugend-
stils bis zum Studioglas der Gegenwart. Ein großer Bereich zeigt
beispielsweise die hochwertig veredelte Massenware aus der
industriellen Fertigung des späten 19. Jahrhunderts. Regelmä-
ßig macht das Glasmuseum neben seinen eigenen Beständen
mit Sonderschauen auch andere Sammlungen zugänglich. Die
Abteilung zu den Glasberufen fußt auf Zeitzeugeninterviews.
Rund um einen symbolischen Glasofen ist die Alltagsgeschichte
dieser Glashüttenleute inszeniert. Dabei werden Probleme nicht
ausgespart. Auch das Glasgewerbe durchlitt ja die Geschichte
des Industriezeitalters mit Automatisierung, globalem Wett-
bewerb und Verschwinden der Arbeitsplätze. Völlig zu Recht
erfährt das bisher lokal getragene Glasmuseum Frauenau durch
die Aufwertung zum Landesmuseum die längst verdiente Aner-
kennung.
www.glasmuseum-frauenau.de
Am letzten Schauplatz unserer Reise durch Bayern wenden wir
uns dem leiblichen Wohl zu. Wir haben uns jetzt ein Bier ver-
dient. In der
Brauerei Aldersbach
im Landkreis Passau wird
seit mindestens 740 Jahren Bier gebraut, sie ist damit eine der
ältesten Brauereien Bayerns. Die ersten Braumeister hier waren
Mönche des 1146 gegründeten Zisterzienserklosters. Im Jahr
1821 erwarb die Familie des Freiherrn von Aretin Kloster und
Brauerei. Die Aretins hielten die Brauanlagen stets auf hohem
technischen Stand. Um 1900 richtete man beispielsweise als
erste Brauerei Niederbayerns die maschinelle Kühlung ein. Seit
1907 wird in Flaschen abgefüllt. Heute braut man in Aldersbach
mit innovativer Technologie 13 Sorten Bier. In Sudhaus und Kel-
ler der ehemaligen Klosterbrauerei aus dem 18. Jahrhundert ist
ein Brauereimuseum eingerichtet, das Werkzeuge, Geräte und
Maschinen aus der handwerklichen Ära des Bierbrauens zeigt.
Der besondere Reiz eines Besuchs in Aldersbach liegt aber in der
engen Nachbarschaft von Kloster und Brauerei. Die grandiose
Kirche Mariä Himmelfahrt, ausgestaltet von den Gebrüdern
Asam, Prunksäle und Kreuzgang laden zum Besuch ein. Füh-
rungen durch die moderne Brauerei können je nach Interesse
mit Rundgängen durch das Museum und das Kloster kombiniert
werden. Im Anschluss bietet sich ein Umtrunk im Bräustüberl
an. Zur Beliebtheit dieses gastlichen Orts trägt sicher bei, dass
man seine Brotzeit selbst mitbringen darf. So viele Attraktionen
auf engstem Raum – kein Wunder, dass die Bayerische Landes-
ausstellung 2016 „Bier in Bayern – 500 Jahre Reinheitsgebot“ –
hier in Aldersbach stattfinden wird.
www.aldersbacher.de
www.hdbg.de/bier/aldersbach
Glas bestimmt im Glasmuseum Frauenau auch die Gestaltung. Ein Fluss aus Glas
geleitet die Besucher aus dem Foyer in den mittelalterlichen Wald.
Besonders stimmungsvoll ist ein Besuch des Glasmuse-
ums Frauenau in der Abenddämmerung, hier ein Blick
in die Ausstellung „Lost in Fabrication“ von Scott
Chaseling, Artist in Residence der Glashütte Eisch, 2012.
Seit 1907 füllt die Brauerei Aldersbach ihr Bier in Flaschen ab. Heute
fügen sich in dem traditionsreichen Betrieb moderne Technik und
die hohe Kunst des Bierbrauens zu zeitgemäßer Industriekultur. Die
Anlage Bauart Krones aus dem Jahr 2005 füllt 26 000 Flaschen pro
Stunde. Im Bild: Geschäftsführer Ferdinand Freiherr von Aretin und
Anlagenfahrer Robert Feyrer.