Seite 134 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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Dem sprichwörtlich gewordenen Steinreichtum des Bayerischen
Waldes widmet sich das
Granitzentrum Bayerischer Wald
in
Hauzenberg im Landkreis Passau. Vor einem Jahrhundert boten
Gewinnung und Verarbeitung von Granit in der Region noch
12000 Menschen Arbeit. Pflastersteine für den Straßenbau,
Bruchsteine zur Befestigung von Böschungen, Quadersteine für
den Brückenbau und jede Menge Schotter gingen aus den Stein-
brüchen des Bayerischen Waldes ins Land. Heute sind infolge
von Rationalisierung und Globalisierung nur mehr einige Hun-
dert Menschen in der niederbayerischen Granitwirtschaft tätig.
Das Granitzentrum beleuchtet Vergangenheit und Gegenwart
der lokalen Steinindustrie. Schon das Gebäude ist eine ein-
drucksvolle Demonstration des Bauens mit Granit. Der preisge-
krönte Bau sitzt direkt an der Bruchkante eines alten Steinbruchs
und lässt sich hinab in den Steinbruchsee. Die Ausstellung zur
Geschichte der bayerischen Granitindustrie und ihrer Beschäf-
tigten befindet sich also an einem sehr authentischen Ort. Im
Freigelände ist die Arbeitssituation in den Steinbrüchen während
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rekonstruiert. Hölzerne
Schwenkkräne, Rollwagengleise und Fallhämmer, Steinhauer-
und Pflastererhütten sind Zeugen der harten Arbeit „im Berg“.
In der Ausstellung lernt man die beteiligten Menschen anhand
ihrer Arbeitsplätze und exemplarischer Lebensläufe kennen.
Die gegen den Steinbruch verglaste Fassade des Raums bietet
Ausblicke auf Abbauwände und den Steinbruchsee. Als beson-
deren Augenschmaus bieten die Steinwelten auch eine Mine-
ralienschau mit Exponaten aus allen Kontinenten. Im Granit-
zentrum Bayerischer Wald hat außerdem das Granitforum
Bayern, der Interessenverband der bayerischen Granitindustrie,
seine Heimat. Hier finden Tagungen, Fortbildungen und Semi-
nare statt. Künstlersymposien zeigen die Vielfalt des Werkstoffs
aus immer neuen Blickwinkeln.
www.granitforum.de
Weiter oben im Bayerischen Wald sind seit Jahrhunderten die
Glasmacher daheim. Ambesten lassen sich deren Kunst und Tra-
ditionen in Frauenau im Landkreis Regen studieren, wo neben
drei aktiven Glashütten das
Glasmuseum Frauenau
seinen Sitz
hat. Das 1975 eröffnete und 2005 erweiterte Haus zeigt unter
einem Dach die Kulturgeschichte des Glases, Leben und Arbei-
ten der regionalen Glasmacher sowie Gebrauchsprodukte und
Kunstwerke aus Glas. Auch in diesem Museum liegt ein ganz
Die Fassade des Granitzentrums
macht mit Material und Gestal-
tung ihr Thema weithin bekannt.
Das preisgekrönte Gebäude des Granitzentrums Bayerischer Wald in
Hauzenberg ist in einen aufgelassenen Steinbruch integriert. Es ist
nahezu vollständig aus dem namengebenden Werkstoff errichtet.
Das Ensemble wurde 2011 in die Liste der 100 schönsten Biotope
Bayerns aufgenommen.