Seite 129 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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Staatsbahnen waren schon sehr baufällig, als eine lockere Ver-
einigung dampfbegeisterter Enthusiasten beschloss, hier histo-
rische Züge zu restaurieren. Mit langem Atem und diploma-
tischem Geschick gelang es der Gruppe, öffentliche Mitstreiter
für das Projekt zu gewinnen. Inzwischen konnte die Bausubs-
tanz gesichert werden. Mit der Gründung einer gemeinnüt-
zigen GmbH und einer Stiftung erhielt das Projekt eine trag-
fähige Organisationsstruktur. Im Sommer finden regelmäßig
Veranstaltungen statt wie die Dampftage oder die schon Kult
gewordene Reihe „Jazz im Bahnpark“. Bald soll es regelmäßige
Öffnungszeiten, eine ständige Ausstellung und Mitmachwerk-
stätten für Besucher jedes Alters geben. Doch auch jetzt schon
macht ein Besuch im Bahnpark gute Laune. Prächtige Lokomoti-
ven als Botschafterinnen europäischer Länder verwandeln einen
der beiden Ringlokschuppen des Geländes in ein „Rundhaus
Europa“. In der Dampflokhalle kann man in Gegenwart mäch-
tiger Lokomotiven tafeln, in der gläsernen Werkstatt bei der
Restaurierung der Kolosse zusehen. Mehrere Räumlichkeiten
sowie den „Blue Star Train“ aus den 1950er-Jahren kann man
für private oder gewerbliche Events mieten, Catering inklusive.
Der Bahnpark veranstaltet außerdem Fahrten mit historischen
Zügen nach Landsberg oder an den Ammersee sowie Studien-
reisen zu bedeutenden Eisenbahnen Europas.
www.bahnpark-augsburg.eu
Das beherzte Engagement einiger Augsburger bewahrte das
Werk vor dem Abriss. In den 1980er-Jahren wurde es behutsam
restauriert. Es gelang dabei, mit geringen Eingriffen in die histo-
rische Substanz die alte Wasserkraftanlage auf die Erzeugung
von elektrischem Strom umzustellen. 2005 ersetzten die Stadt-
werke Augsburg, die sich bis heute vorbildlich um das Denkmal
kümmern, die alten Turbinen durch Kaplanrohrturbinen. Die
historische Maschinenhalle blieb davon unberührt. Unmittel-
bar neben dem historischen Bauwerk wird heute mit Tiefpum-
pen Trinkwasser für die Stadt gefördert. Die geschlossene Über-
lieferung von Bauwerk, Ausstattung und Geschichte und die
behutsame Nutzung nahe der originären Funktion machen das
Wasserwerk am Hochablass zu einem der hochwertigsten In-
dustriedenkmäler Bayerns. Das Werk ist eine der Stationen des
Augsburger Wasserwegs und kann nach Voranmeldung besich-
tigt werden.
www.sw-augsburg.de
Unweit des Wasserwerks, im Augsburger Stadtteil Hochfeld,
entsteht seit einigen Jahren ein völlig anders geartetes ambitio-
niertes Kultur- und Museumsprojekt. Der
Bahnpark Augsburg
hat sich zum Ziel gesetzt, einer Augsburger Industriebrache mit
großer Vergangenheit eine Zukunft zu geben. Die Gebäude des
ehemaligen Betriebs- und Ausbesserungswerks der bayerischen
Oberbayern
In Oberbayern wenden wir uns luftigen Objekten zu. Es sind
Elemente der technischen Infrastruktur. Damit sind jene viel-
fältigen Netzwerke gemeint, die im Verlauf des Industriezeit-
alters unser Land übersponnen haben. Rohrleitungen und
Kabel, Straßen und Trassen, Frequenzbänder und Luftkorri-
dore durchziehen unsere Städte und Landschaften. Spätestens
seit die Heimatschutzbewegung sich vor gut 100 Jahren gegen
elektrische Leitungstrassen stemmte, haftet diesen Exponenten
des Fortschritts ein Makel an. Und doch ist es insbesondere
die Infrastruktur, die wohlhabende Länder von so genannten
unterentwickelten Regionen unterscheidet. Wir genießen die
diesbezüglich höchstentwickelten Systeme der Welt. Mobilität
und Transporte in gigantischem Umfang, stets sichere Versor-
gung mit Wasser und Energie sowie allgegenwärtige Kommu-
nikationsmöglichkeiten sind uns selbstverständlich geworden.
Die hier vorgestellten Schauplätze führen in eher abseitig anmu-
tende Segmente unserer Infrastruktur, deren Betreten – mit
Ausnahme der Bergbahn – in der aktiven Zeit einem kleinen
Kreis von Experten vorbehalten war. Alle repräsentieren aber
die zur jeweiligen Bauzeit modernste verfügbare Technologie in
mutiger, höchst innovativer Anwendung.
In Oberschleißheim im Landkreis München liegt eine der Wie-
gen des deutschen Luftverkehrs, die
Flugwerft Schleißheim
.
Hier lassen sich die wechselvolle Entwicklung der Luftfahrt und
deren Rolle in der politischen Geschichte Deutschlands stu-
dieren. 1912 als Standort der neu gegründeten königlich-baye-
rischen Fliegertruppe errichtet, diente der Flugplatz im Ersten
Weltkrieg zur Ausbildung des Personals der ersten „Luftwaffe“
Bayerns, auch wenn das damals noch nicht so hieß. Nach kurzem
zivilen Intermezzo mit planmäßigem Transport von Post und
Passagieren wurde Schleißheim ab 1933 in Vorbereitung des
Kriegs zum „Fliegerhorst“ ausgebaut. Von 1945 bis 1968 war hier
eine Air Base der US-Armee eingerichtet, teils parallel dazu von
1958 bis 1981 ein Stützpunkt der bundesdeutschen Heeresflieger.
1988 übernahm das Deutsche Museum das Gelände, restaurierte
die Gebäude und richtete eine Außenstelle und richtete eine
abwechslungsreiche Ausstellung ein. Der Rundgang beginnt in
der historischen Werfthalle aus dem Jahr 1918. Hier findet man
Flugzeuge mit Bezug zur Örtlichkeit, beispielsweise das legen-
däre Jagdflugzeug Fokker D VII von 1918. In der so genannten
Kommandantur, einem denkmalgeschützten Bauwerk aus dem
Gründungsjahr 1912, wird die Geschichte des Flugplatzes prä-
sentiert. Zu diesemGebäude gehört auch ein Turm– ein wunder-
barer Aussichtspunkt für einen Rundblick über dieWerft und die
benachbarten Schlösser. Eine Anfang der 1990er-Jahre errichtete
Ausstellungshalle bietet Platz für die große Sammlung zur Ent-
wicklungsgeschichte des Flugzeugs. Vom Propellerflugzeug bis
zur Rakete, vom Hängegleiter bis zum Hubschrauber reicht das
Spektrum. In der Halle ist auch die gläserne Werkstatt unter-
gebracht, in der man Flugzeugrestauratoren bei der Arbeit zuse-
hen kann. Eine besondere Attraktion des Museums sind Flug-
simulatoren, insbesondere der neue Hubschrauber-Simulator