Seite 125 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

Basic HTML-Version

INDUSTRIEKULTUR ENTDECKEN
123
Verbindung zwischen den Meeren im Süden und im Norden.
Mit Dämmen, Einschnitten, Kanalbrücken und 100 Schleusen
führte der Ludwigskanal von Kelheim an der Donau in das 172
Kilometer entfernte Bamberg am Main. Die 16 Meter breite und
knapp anderthalb Meter tiefe Wasserstraße erwies sich als vol-
ler Erfolg. Allerdings nur in den ersten Jahren, danach wurde
die Konkurrenz durch das damals brandneue Verkehrsmittel
Eisenbahn erdrückend. Ab der Wende zum 20. Jahrhundert gab
es kaum noch Frachtverkehr auf dem Ludwigskanal, 1950 wurde
er aufgelassen. Gut zehn Jahre später begann man mit dem Bau
des Nachfolgers: Der Main-Donau-Kanal
für die europäische Großschifffahrt führt
auf einer anderen Trasse ebenfalls von
Kelheim nach Bamberg. Der alte Lud-
wigskanal wurde teilweise verfüllt. Unter
dem oben zitierten Schild verläuft heute
auf der Kanaltrasse die Autobahn A 73.
Südlich von Nürnberg blieb der Ludwigs-
kanal jedoch erhalten und bildet heute ein
hochrangiges Denkmal mit hohem Erho-
lungswert. Am besten kann man ihn bei
einer Radtour auf den alten Treidelpfaden
entdecken, besonders empfehlenswert
sind die 65 Kilometer zwischen Berching
und Nürnberg: eine Landschaft wie ein
Schlosspark, ebener Streckenverlauf und
immer wieder charmante Sehenswür-
digkeiten wie die Schleusenwärterhäus-
chen im klassizistischen Stil oder grazile
Brücken – ein Paradies für Familien und
Freizeitradler. Bei Burgthann im Land-
kreis Nürnberger Land sind einige der
interessantesten Kanalbauwerke original
erhalten geblieben wie der Dörlbacher Einschnitt, eine gan-
ze Reihe von Schleusen und der Brückkanal bei Feucht. Som-
mers kann man hier erleben, wie das Treideln vonstattenging.
Schwere Pferde, geführt auf den Treidelpfaden am Ufer, ziehen
lautlos den Lastkahn Elfriede, dessen Fracht nun aus fröhlichen
Gesellschaften besteht. Das Bootspersonal unterhält die Gäste
mit Geschichten vom Kanal. Wer noch mehr erfahren möchte,
dem sei ein Besuch im Kanalmuseum in Burgthann empfohlen.
Es befindet sich im Südflügel der Burg.
www.burgverein-burgthann.de
Im Museum Alte Mine, einem denkmalgeschützten Bau an der Rednitz, zeigt Faber-Castell,
wie im 19. und 20. Jahrhundert Minen für Bleistifte gefertigt wurden.
Bei Burgthann hat sich der 1846 eröffnete Ludwigskanal original er-
halten. Sommers kann man hier bei Touristenfahrten erleben, wie
lautlos das Treideln der Frachtkähne vonstattenging. Das Bootsper-
sonal unterhält derweil die Fahrgäste mit Geschichten vom Kanal.