Seite 121 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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unvergleichliches Zeugnis der deutschen Schwerindustrie mit
einer Fülle höchst bedeutsamer, teilweise sogar weltweit einma-
liger Anlagen und Maschinen. Neben dem verbliebenen Hoch-
ofen (1957), dem Thomas-Stahlwerk (1974/77) und dem Walz-
werk (1892) mit seinen drei Dampfmaschinen (1907 und 1911)
haben sich, um nur einige Einrichtungen zu nennen, das Kraft-
werk mit zwei Dampfmaschinen (1907–1911), die Kläranlage
(1952) und der Verwaltungsbau (1892/1938) erhalten. Die Be-
wahrung dieser Kathedralen des Industriezeitalters und die Ent-
wicklung denkmalverträglicher Nutzungen muss einem Staat,
der auf industriellem Fundament ruht und stets die Identität
der Regionen beschwört, Ehrensache sein. Derzeit haben inte-
ressierte Besucher die Möglichkeit, im Rathaus einen Kurzwan-
derführer zu erwerben, der einen Weg rund um die Maxhütte
beschreibt. Den besten Blick über das Werksgelände hat man
vom Schlossberg in Rosenberg.
www.museumtheuern.de
www.erzweg.de
Die Maxhütte besaß eigene Erzvorkommen in der Region. 1904
begann die Erschließung des Grubenfeldes Nitzlbuch bei Auer-
bach (Landkreis Amberg-Sulzbach), dessen oberirdische Anla-
gen heute das
Bergbaumuseum Maffeischächte
pflegt und
erhält. Herzstück des Museums sind die beiden weithin sicht-
baren, denkmalgeschützten Fördergerüste aus Stahlfachwerk
über den einst 137 Meter tiefen Schächten Maffei 1 und Maffei 2.
Mithilfe dieser Gerüste und den zugehörigen Fördermaschinen
wurden in den Jahren 1904 bis 1978 rund 16 Millionen Tonnen
Eisenerz ans Tageslicht geholt. Ein Güterzug mit dieser Menge
Erz reicht von Sulzbach-Rosenberg nach Moskau und zurück.
Das Museum bewahrt außerdem zwei ehemals unter Tage ein-
gesetzte Abbaumaschinen aus der Nachbargrube Leonie, eine
Teilschnittgewinnungsmaschine AM 50 sowie einen dieselge-
triebenen Fahrschaufellader. Die 194 Meter tiefe Grube Leonie
hatte ab 1977/78 die Maffeischächte abgelöst. Bis zum ersten
Konkurs der Maxhütte im Jahr 1987 förderte sie über fünf Milli-
onen Tonnen Erz, dann wurde das erst zehn Jahre alte Bergwerk
aufgegeben. Die Lagerstätte verfügt übrigens noch immer über
20 Millionen Tonnen sichere Erzvorräte. Besucher des Museums
Maffeischächte können auch an einer – oberirdischen – Fahrt
mit der Grubenbahn teilnehmen. Die Schächte und Stollen der
Grube sind nicht mehr zugänglich, sie wurden verfüllt. Das
Museum wird von zwei Vereinen betrieben, dem Förderverein
Maffeispiele und dem Knappenverein Auerbach. Das Engage-
ment dieser Vereine belebt auch allsommerlich das Gelände
auf ganz besondere Weise: Theateraufführungen regionaler En-
sembles, Lesungen, Konzerte und die nächtliche Illumination
der Türme erinnern als „Maffeispiele“ an Leben und Arbeit der
Oberpfälzer Bergleute. Deren originale Wohnhäuser, die so ge-
nannte Kolonie aus ursprünglich 17 Wohnhäusern zu je sechs
Wohnungen, lassen sich in Nitzlbuch besichtigen.
www.maffeispiele.de
Weiter östlich im Herzen der Oberpfalz liegt ein bis heute aktiv
genutztes Bergbaurevier. In der Hirschau-Schnaittenbacher Sen-
ke (Landkreis Amberg-Sulzbach) befindet sich eine der bedeu-
tendsten europäischen Lagerstätten an Kaolin, Quarzsand und
Feldspat. Das Revier mit seinen gewaltigen Tagebaugruben, Hal-
den, Rekultivierungsprojekten und der touristischen Nachfolge-
nutzung wird oft mit dem Oberbegriff
Geopark Kaolinrevier
bezeichnet. Das wohl bekannteste Objekt dieser Landschaft ist
der Sandberg Monte Kaolino. Das namengebende Kaolin wur-
de früher in der Gegend zu Steingut und Porzellan verarbeitet,
heute gehen 60 Prozent der Produktion in die Papierindustrie.
Das Mineral Feldspat benötigt man beispielsweise bei der Glas-
herstellung und bei der Verhüttung von Metallen zur Herabset-
zung des Schmelzpunktes. Die erste Konzession zur Gewinnung
und Aufbereitung von Kaolin im Hirschau-Schnaittenbacher
Revier wurde 1826 erteilt. Die 120 Meter hohe Landmarke des
Monte Kaolino entstand im Verlauf von Jahrzehnten durch Auf-
haldung von Quarzsand, der bei der Aufbereitung des Kaolins
als Abfallprodukt anfällt. Bis heute wächst die Halde weiter. Der
im ganzen Revier fortschreitende Wandel der Landschaft durch
die industrielle Nutzung lässt sich entlang eines sechs Kilometer
langen Lehrpfads erleben. Zwölf Stationen vermitteln Informa-
tion, stellen Fragen und formulieren vorsichtige Antworten. Wie
reagiert die Natur auf die gewaltigen Erdbewegungen? Was pas-
siert mit Grund- und Oberflächenwasser? Wird aus dem Berg-
Zwei Fördertürme aus Stahlfachwerk sind das Wahrzeichen der ehe-
maligen Erzgrube Nitzlbuch. Heute befindet sich hier das Bergbau-
museum Maffeischächte.