Seite 120 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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INDUSTRIEKULTUR ENTDECKEN
detailliert nachlesen. So ging die Bedeutung der Region als
„Ruhrgebiet des Mittelalters“ im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis
1648) und den nachfolgenden Pestwellen unter. Erst 200 Jahre
später erlangte die bergbau- und eisentechnische Kompetenz der
Oberpfälzer wieder überregionale Bedeutung. Die große Nach-
frage nach Schienen für den Eisenbahnbau führte zum Ausbau
der Bergwerke und 1853 zur Gründung der Aktiengesellschaft
„Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte“ mit Sitz in Haidhof.
Hauptaktionär war übrigens der Inhaber der damals einzigen
Lokomotivfabrik Bayerns, Anton von Maffei. 1878 wurde für
die Maxhütte im Revier Auerbach eine neue Erzbasis gefunden.
1904 begannen hier die Arbeiten zur Erschließung des südlich
von Auerbach gelegenen Grubenfelds Nitzlbuch, ab 1971 der
Ausbau der Schwestergrube Leonie. Mit dem ersten Konkurs der
Maxhütte im Jahr 1987 endete der bayerische Erzbergbau. Der
Hüttenbetrieb am Standort Sulzbach-Rosenberg lief bis 2002.
Die
Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg
im Landkreis Amberg-
Sulzbach war der zweite Betrieb der oben genannten Eisenwerk-
Gesellschaft Maximilianshütte. Am ersten Standort Haidhof
hatte man noch mit Holzkohle verhüttet und mit dem hand-
werklichen Puddelverfahren Stahl erzeugt. Aufgrund der damals
rasch fortschreitendenTechnologieentwicklung entstand ab 1863
in Sulzbach-Rosenberg ein ganz anders konzipiertes Werk, das
innerhalb weniger Jahrzehnte zum Hauptstandort der Gesell-
schaft wurde. 1889 baute man neben die Hochöfen ein Stahlwerk
mit Konvertern nach dem Thomas-Verfahren und ein Block-
walzwerk. 1892 verlagerte man auch das Schienenwalzwerk von
Haidhof nach Rosenberg. Eine solche Anlage, in der alle Schritte
der Stahlherstellung auf einem Gelände vereinigt sind, also die
Gewinnung von Roheisen im Hochofen, dessen Veredelung zu
Stahl sowie die Verarbeitung dieses Stahls zu Halbzeugen und
Fertigprodukten, beispielsweise zu Schienen, nennt man integ-
riertes Hüttenwerk. 1965 waren am Standort Sulzbach-Rosen-
berg 5000 Personen beschäftigt, in der Gesellschaft Maxhütte
insgesamt etwa 9000. In den folgenden vier Jahrzehnten folgte
Krise auf Krise. Heute ist die Maxhütte ein dunkler Fleck auf
der Weste der bayerischen Denkmalpflege. Obwohl weite Teile
der Anlagen schon 2003, unmittelbar nach der Einstellung des
Betriebs, unter Denkmalschutz gestellt wurden, gibt es bislang
keine nennenswerte Initiative zum Erhalt dieses Monuments.
Stattdessen wurde mit dem Abbruch der Stranggießanlage im
Jahr 2010 die europaweit einmalige Chance vertan, ein kom-
plettes, voll ausgestattetes integriertes Hüttenwerk als Denkmal
zu erhalten. Doch trotz dieser Fehlstelle ist die Maxhütte ein
Der Hochofen könnte als Aussichtsturm zum Mittelpunkt einer
begehbaren Denkmallandschaft Maxhütte werden. Die Erfahrun-
gen in Nordrhein-Westfalen und im Saarland lehren, dass man
sowohl die konservatorischen Herausforderungen als auch die
Sicherheitsanforderungen eines Besucherbetriebs in den Griff
bekommen kann.