Seite 109 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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BAYERN UND SEINE INDUSTRIEDENKMÄLER
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nahm mit der Gründung der Augsburger Kattunfabriken die
bayerische Baumwollindustrie ihren Anfang. Hier ist die Ent-
wicklung baulich noch heute präsent mit der Nähfadenfabrik
in Göggingen, der Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) und
dem „Glaspalast“. Auch im übrigen Schwaben und in Oberfran-
ken blühte die Textilindustrie auf; Oberfranken war überdies
seit 1814 Zentrum der bayerischen Porzellanherstellung. Im
Jahr 1835 begann der Ausbau des Eisenbahnnetzes. Mit dem
Eisenbahnwesen entstanden wenig später die großen Firmen
im Maschinenbau wie Maffei in München und Cramer-Klett in
Nürnberg.
Kohle und das daraus gewonnene Leuchtgas waren am Ende
des 19. Jahrhunderts die wichtigsten Energieträger. Mit Kohle
betrieb man die riesigen Dampfmaschinen und landauf, land-
ab wurden Gasanstalten errichtet. Einige, wie die Gaswerke in
Regensburg, Augsburg, Schwabach und Würzburg, bestaunen
wir heute als Denkmäler der Industriegeschichte. 1883 fiel mit
der Erfindung des Verbrennungsmotors der Startschuss für
die Automobilindustrie. Der neue Energieträger Strom und
eine fortschreitende Elektrifizierung prägten die zweite Phase
der Industrialisierung. Elektromotoren ersetzten nun Dampf-
maschinen und Gasmotoren. Zahlreiche Kraftwerke wurden
errichtet, 1894 konnte inHöllriegelskreuth bei München die erste
elektrische Überlandzentrale eröffnet werden. Parallel entstand
in den Sparten Farben, Pharmazie und Kunstdünger die che-
mische Industrie. Starken Aufschwung nahm auch die Konsum-
güterindustrie, allen voran das Brauwesen.
Die Städte verzeichneten explosionsartig wachsende Bevölke-
rungszahlen. In München lebten 1875 etwas mehr als 190 000
Menschen, schon 1910 waren es knapp 600 000. Aus diesem
Grund mussten neue Versorgungseinrichtungen und Ver-
triebswege entwickelt werden; es entstanden Wasserwerke und
Wasserleitungen, Messehallen, Großmärkte und Kaufhäuser.
Oben und unten: Das grenzüberschreitende Jochensteinkraftwerk, in Untergriesbach und Engelhartszell (Oberösterreich) beheimatet