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Rebellen, Visionäre, Demokraten. Über Widerständigkeit in Bayern

Die Vorstellungen über Bayern, die Klischees über Land und Leute sind vielfältig und zahlreich. In der Sondernummer „Rebellen, Visionäre, Demokraten“ gehen wir der Frage nach, wer wann und warum eine besondere Rolle in der Geschichte Bayerns gespielt hat und – sei es von den Zeitgenossen, sei es von der Nachwelt – als herausragende Persönlichkeit, als „Held“ oder „Heldin“ im Gedächtnis geblieben ist.
Waren oder sind die Bayern besonders? Gibt es so etwas wie spezifisch bayerische Wesenszüge? Seit Aventin verbindet man mit den Altbayern eine besondere Lebens- und Feierfreude, Frömmigkeit, Heimatverbundenheit, den Hang zum „Protzen“, zum Theater und zum Theatralischen. Im 19. Jahrhundert finden sich zwischen Ursprünglichkeit und Rückständigkeit zahlreiche positive wie negative Assoziationen. Überraschend häufig erscheint dabei eine gewisse Widerständigkeit. Carl Amery befand: „Es zieht sich ein Strang von Rebellion, von Aufsässigkeit durch unsere Geschichte.“ Und Ludwig Thoma meinte: „Der Bayer hat wenig Sinn für´s Opportune … ist dabei sehr demokratisch für gleiches Recht, sehr empfindlich gegen Unrecht … immer geneigt, dem Kleinen gegen den Großen, dem Regierten gegen die gwappelte Obrigkeit seine überströmende Sympathie zuzuwenden.“ In einem weit ausgreifenden einleitenden Essay geht Werner K. Blessing diesen Fragen nach und stimmt ein auf die 47 Biografien, die namhafte Autorinnen und Autoren in scharf profilierten Lebensbildern darstellen - spannend, berührend und kenntnisreich.
Das 192 Seiten starke Heft ist im Buchhandel erhältlich, in unserem Online-Shop oder telefonisch beim Haus der Bayerischen Geschichte: 0821 3295-0.



Themenschwerpunkte


  Freigeist am Fürstenhof

"Weil Johannes Aventinus, der vortreffl iche und weithin berühmte Historiker, hier im Gottesacker gegenüber dem Glockenturm begraben liegt, … verlohnt es der Mühe, sich seine Grabschrift und sein in Stein gehauenes Brustbild anzusehen.“. Was Andreas Raselius (um 1563–1602), der evangelische Kantor, Lehrer des reichsstädtischen „Gymnasiums poeticum“ und Regensburger Chronist, 1599 beschreibt, lässt sich heute noch nachprüfen: Das Epitaph eines der bekanntesten bayerischen Humanisten, der im „Friedhof der Vornehmen“ des Klosters St. Emmeram bestattet liegt, hat fast 500 Jahre ohne größere Alterungsspuren überstanden ...
     
  Gegen Hexenwahn

Sie sind sich nie begegnet – aber sie gehören zusammen: Einer steht stets im Schatten des anderen. Ihre gemeinsame Vision war der Kampf gegen Hexenprozesse. Beide waren deutsche Jesuitenmönche: der Paderborner Moraltheologe Friedrich Spee (1591–1635) und der Ingolstädter Dogmatiker Adam Tanner. Insgesamt rund 50000 Menschen fi elen zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert Hexenprozessen zum Opfer. Es waren Katholiken wie Protestanten, mehrheitlich Frauen, aber auch etwa 20 Prozent Männer. Die vermeintlichen „Hexen“ kamen aus allen sozialen Schichten und Altersklassen. Staat, Kirche und Wissenschaft , aber auch die einfachen Bürger und Bauern wollten und verlangten Hexenprozesse. Hexerei wurde ...
     
  Lieber bayrisch sterben

"Sonst ist hierbei nicht genug zu bewundern, daß die Rebellen, derer zweimal erlittenen großen Niederlagen und aller Dehortationen [Abmahnungen] ungeachtet, annoch so verblendet, ihrer in den Fahnen habenden Inscription nach ,Wir wollen lieber bayrisch sterben / Als in des Kaisers Unfug verderben‘ sich nebst dem ganzen Lande aufopfern und ruinieren lassen, ehe sie sich kaiserlicher Autorität submittieren [unterwerfen].“ So äußerte sich am 15. Januar 1706 ein kaiserlicher Offizier über die Hartnäckigkeit der bayerischen Aufständischen. Der Bauernaufstand der Jahre 1705 und 1706 war die weitaus größte und blutigste Volkserhebung, die es in Altbayern je gegeben hat. Innerhalb von wenig mehr als drei Monaten dürft en etwa 40000 Menschen aktiv an ihr teilgenommen haben, die höchste Zahl, die gleichzeitig
unter Waff en gestanden hat, wurde um den 25. Dezember 1705 mit ca. 25000 Mann erreicht. Mindestens 6000 Aufständische
– 15 Prozent der Teilnehmer oder 0,65 Prozent ...
     
  Gegen die Restauration

"Im Namen seiner Majestät des Königs von Bayern erkennt der unterfertigte Gerichtshof als Kriminalgericht in der Untersuchung gegen den königlichen Hofrat und quieszierten ersten Bürgermeister Dr. Wilhelm Joseph Behr aus Würzburg, wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung, zu Recht: Inquisit sei schuldig I. des fortgesetzten Verbrechens des nächsten Versuches zum Hochverrate … II. des fortgesetzten Vergehens der Verletzung der dem Monarchen schuldigen Ehrfurcht … III. des Vergehens der Beleidigung der Amtsehre …“ ...
     
  Räuber oder Volkshelden?

An Großkopferten und Gwappelten hat Bayern niemals Mangel gelitten, aber ebenso wenig an Räubern, Bazis und Hallodris. Kein Wunder, dass auch zwielichtige Gestalten Eingang in die Annalen der bayerischen Geschichte gefunden haben, etwa der Schachenmüller Hias (1875–1902), der als Räuber Kneißl auf dem Schafott endete und trotzdem ein Volksheld geworden ist. Kaum geringer ist das kulturhistorische Gewicht des von Kneißl etwas in den Hintergrund gedrängten Matthäus Klostermayr, der auch „Bayrischer Hiasl“ respektive „Boarischer Hiasl“ genannt wird und schon zu Lebzeiten Berühmtheit erlangt hatte. Der dialektale Rufname Hias, den beide Räuber trugen, vermittelt zunächst einmal ein Gefühl von Nähe und Vertrautheit. Hiasl sagt man noch heute unter Freunden, Matthäus nur im amtlichen Verkehr. Ein Hiasl kann vom Gefühl her eigentlich nichts Böses im Schilde führen, weshalb man naiv-brave Menschen gerne neckt, indem man „Ach, du Hiasl du!“ zu ihnen sagt. Wenn vom Hias die Rede ist, mag auch Anerkennung ...
     
  Frauen auf dem Vormarsch

In München erschien 1911 eine in vieler Hinsicht ungewöhnliche Dissertation, geschrieben von einer Frau, zustande gekommen durch – modern gesprochen – teilnehmende Beobachtung, also Methoden der Feldforschung. In die Arbeit mit dem Titel „Das Leben der jungen Fabrikmädchen in München“ hatte Rosa Kempf auch ihre eigenen Erfahrungen als Fabrikarbeiterin einfl ießen lassen. Die praxisnahe, kenntnisreiche Doktorarbeit der damals 37-Jährigen ist heute noch lesenswert als Ausdruck ihres lebenslangen sozialpolitischen Engagements. Die niederbayerische Arzttochter, geboren 1874 in Birnbach, begann mit 14 Jahren eine Ausbildung als Volksschullehrerin und arbeitete seit ihrem 18. Lebensjahr in verschiedenen Schulen auf dem Land und in München. 1904 machte die 31-Jährige als Externe ihr Abitur und studierte als eine der ...
     
     
  Eigen-Sinn in der Politik

Die 1970er-Jahre, in denen die politische Sozialisation von Sepp Daxenberger erfolgte, waren eine Zeit, die als Reaktion auf die 68er-Generation vor „Bewegungen“ nur so strotzte: Bewegt waren die Frauen, die Atomgegner, die Friedensaktivisten, die Anhänger des Eine-Welt-Gedankens und die Umweltschützer, die sich schließlich auch parteipolitisch zu formieren begannen. Als sich „Die Grünen“ am 13. Januar 1980 in Karlsruhe gründeten, besaß Bayern rasch – hinter Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen – den drittstärksten Landesverband. Zwei Jahre später trat Sepp Daxenberger, der Bauernsohn und Schmied aus Ninharting im Chiemgau, der jungen Partei bei. Bereits in der Berufsschule in Traunstein hatte er mit der Herausgabe einer Schülerzeitung ...
     
     
     
     
     
     

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Ausgabe 09 - Coburg
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