IV. Nachbarn, aber keine Freunde

Nachbarn, aber keine Freunde – das Verhältnis von Stift und Reichsstadt

Sowohl das Fürststift wie auch die Reichsstadt gründeten ihr Selbstverständnis auf ihre lange Geschichte:

Das Bild der fränkischen Königin Hildegard im Stiftswappen erinnerte an die Schenkungen der Karolingerzeit. Die Reichsstadt führte seit 1488 den Reichsadler in ihrem Wappen und wies damit nachdrücklich auf ihre Unabhängigkeit von der Gewalt der Äbte hin.

Der „Große Kauf" krönte 1525 das Streben der Stadt nach Reichsunmittelbarkeit. Mit ihrer Hinwendung zur Reformation entstand jedoch zugleich ein neuer Herd für Konflikte. Weitere Anlässe zu Kontroversen boten sich auf den Feldern der Politik und der Wirtschaft. Hierzu gehörte die Frage der Zulassung stiftischer Handwerker auf dem Markt der Reichsstadt.

Die Zuspitzung der Konfrontation im 30jährigen Krieg wirkte sich auch auf dem lokalen Schauplatz aus. Sie mündete 1632/33 mit der Demolierung des Klosters und der Erstürmung der Reichsstadt in eine Katastrophe für beide Seiten.

Nach dem Krieg kehrte man wieder zu einer Austragung der Gegensätze vor den Reichsgerichten zurück. Im Vordergrund standen dabei der vergebliche Kampf der Reichsstadt gegen die werdende Stiftsstadt und Konflikte um den Ausbau der Fernstraßen.

Insgesamt war die wirtschaftliche Konkurrenz in der frühen Neuzeit bestimmender als historische und konfessionelle Gegensätze: Die Bemühungen der Fürstäbte, Handel und Gewerbe in ihrem eigenen Territorium zu fördern, trafen vor allem die Ärmeren unter den reichsstädtischen Handwerkern.

Nicht übersehen werden sollten aber auch die Ansätze einer fruchtbaren Zusammenarbeit: Mehr als es lautstarke Auseinandersetzungen vermuten lassen, war der Alltag von Gemeinsamkeiten geprägt.

Handschrift
Hildegardhandschrift
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Fuerstabt
Fürstabt Johann Willibald Schenk von Castell (1631–1639)
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Spanschachtel
Spanschachtel mit Haarbüschel
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III. Neuzeit Stadt und Land

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