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Lage: Ecke Madison-/Hooverstraße nahe der westlichen Gemarkungsgrenze von Kriegshaber im amerikanischen Wohngebiet Center Village.
Größe: 9401 qm; große, massive Steinmauer rund um den Friedhof; das schmiedeeiserne Tor befindet sich an der Hooverstreet.
Alter: 1627. Die seit der Mitte des 16. Jahrhunderts in Kriegshaber ansässigen Juden mussten zunächst ihre Verstorbenen in Burgau beerdigen. Als die Juden 1617 aus Burgau vertrieben wurden, gelang es den Juden von Kriegshaber, 1627 eine der Markgrafschaft Burgau gehörende Viehweide zu erwerben, die sie 1636 als Friedhof eröffneten. Er wurde 1695 und 1722 erweitert und 1825 durch gemeinsame Anstrengungen der drei jüdischen Gemeinden Kriegshaber, Pfersee und Steppach mit einer Einfriedungsmauer umgeben. Bis 1816 hat auch die jüdische Gemeinde München ihre Toten in Kriegshaber begraben.
Einzugsbereich: Fischach, Pfersee, Schlipsheim, Steppach und Kriegshaber. Die Toten der Augsburger Gemeinde wurden bis zur Anlage eines eigenen Friedhofs 1867/68 ebenfalls in Kriegshaber beigesetzt.
Beerdigungen: Der Friedhof ist zu drei Vierteln mit Gräbern belegt und in drei Abschnitte eingeteilt. Ca. 700 alte und neuere Grabsteine haben sich erhalten; die ältesten stammen aus den Jahren 1662, 1673 und 1695. Beerdigungen fanden auch nach 1945 statt. Am 12. Mai 1927 fotografierte Theodor Harburger das Holzgrabmal des (gewaltsam ums Leben gekommenen?) Sohnes des Mordechai aus Kassel, der Dienstag, 19. November 1805 (27. Cheschwan 5566) gestorben war; es wird heute im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg aufbewahrt. Ein Gedenkstein zur Erinnerung an die KZ-Opfer wurde nach 1945 aufgestellt.
Besonderheiten:
Direkt gegenüber dem Eingang, etwa 40 m entfernt, liegt ein bewohntes
Friedhofswärterhaus mit folgender Inschrift über dem Eingang „Du
gehst zum Ende und ruhst aus und Du wirst vor Deinem Schicksal neben
dem Ende Deiner Tage (hebräisch). 1636 wurde dieser Friedhof eröffnet
1802 - Der leidenden Menschheit jüdischer Nation dieses Haus erbauet
u. gewid. von Pfersee, Steppach u. Kriegshaber 1871 Die Umfassungsmauer
neu aufgeführt". Diese war insofern von Bedeutung, da der Besuch
des Friedhofs bis 1867 lebensgefährlich war; denn neben dem Friedhofsgelände
befand sich ein Schießplatz der Artillerie. Der Kugelfang lag entlang
der Friedhofsmauer, wodurch es immer wieder zu schweren Umfällen
sowie zu Beschädigungen der Mauer und der Grabsteine kam. Erst die
Eingabe des Seligmann Lazarus beim bayerischen König 1867 hatte
Erfolg: Die Kugelfänge wurden auf die andere Seite des Übungsgeländes
und Übungen mit schweren Geschützen auf das Lechfeld verlegt.
Seit 1826 war eine Chewra Kaddischa in der Gemeinde Kriegshaber
tätig.
Schändungen: 1942.
Links:
>
http://jhva.wordpress.com/category/bavaria/
Website des Jüdischen Historischen Vereins Augsburg e.V. mit zahlreichen Themen zur örtlichen und regionalen jüdischen Geschichte; u.a. Restaurierung des Tahara-Hauses
Video mit Impressionen zu den Augsburger jüdischen Friedhöfen, Namenslisten, Fotografien, Erläuterungen
Literatur: Brocke, Michael/Müller Christiane E.: Haus des Lebens. Jüdische Friedhöfe in Deutschland. Leipzig 2001, S. 124; Harburger 2, S. 341-355; Schneeberger, Michael: Jüdische Landgemeinden in Bayern (20). Die Juden von Kriegshaber in Augsburg. In: Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern 23, Nr. 106 (April 2008), S. 33-42; Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens, S. 233; Trüger, Michael: Jüdische Friedhöfe in Bayern (7) [Fürth, Binswangen, Kriegshaber]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 9, Nr. 63 (September 1994), S. 25-26, hier S. 26; Werner, Constanze (Bearb.): KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten in Bayern. „Wenn das neue Geschlecht erkennt, was das alte verschuldet …", Regensburg 2011 [allgemein zum Thema sowie Dokumentation der in der Zuständigkeit der Bayerischen Schlösserverwaltung stehenden KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten]
> vollständig zitierte Buchtitel finden Sie hier