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Ritter, Bauern, Lutheraner

„Oh Jahrhundert! oh Wissenschaften: Es ist eine Lust zu leben“, schrieb Ulrich von Hutten im Dezember 1518 an den Nürnberger Humanisten Willibald Pirckheimer. Eine verblüffende Aussage angesichts der schwierigen Zeiten? Die Epoche der Ritter neigt sich dem Ende zu, die Bauern kämpfen für Recht und Freiheit, Menschen ringen um ihr Seelenheil, die Städter begehren gegen Althergebrachtes auf und Luther stellt Wahrheiten in Frage. Es ist eine Lust zu leben? Die Welt beginnt sich um 1500 zu drehen. Das Leben pulsiert.

Die anlässlich der Bayerischen Landesausstellung „Ritter, Bauern, Lutheraner“ entwickelte Plakatserie vermittelt einen Eindruck der Umbruchszeit im beginnenden 16. jahrhundert. Sie skizzieren die Grundlagen der Welt um 1500 und bringen dem Betrachter eine recht ferne Weltordnung nahe, die sich auf Gott und die Gemeinschaft der Kirche gründete. Jenseits gelehrt-theoretischer Gesellschaftsordnungen vollzog sich das Leben der Menschen auf dem Land und in der Stadt. Bei allen Unterschieden zwischen Stadt und Land hingen die Lebenschancen auch der Städter nach wie vor wesentlich von der agrarischen Welt ab. Die Bauern repräsentierten den Untertanenstand schlechthin; doch bot die ländliche Gesellschaft des 16. Jahrhunderts bereits ein sehr differenziertes Bild.

Die Keimzelle für wirtschaftlichen Aufschwung und Innovationen lag aber in den Städten. Dem bunten Angebot des städtischen Markts steht das große „Angebot“ für das Seelenheil der Menschen gegenüber. Fromme Stiftungen, Bettelorden und Spitäler, die Stadtpfarrkirche als Ort der Lebenden und der Toten – Klerus und Kirche boten vielfältige Gelegenheiten, mit guten Werken für das eigene Seelenheil und das der Vorfahren zu sorgen.

Im prächtigen Turnierwesen mit seinen aufwendig gearbeiteten Waffen und Rüstungen wrude nochmals ein rückwärtsgewandtes Gesellschaftsideal gepflegt ─ die von Abstiegsängsten geprägte Wirklichkeit der Reichsritter und des landsässigen Adels sah bereits anders aus. Als aufstrebende Macht etablierten sich die Reichsfürsten, in deren Territorien sich eine neue Staatlichkeit entwickelte.

Die „neue Zeit“, das „Jahrhundert der Wissenschaften“, das der Ritter und Literat Ulrich von Hutten pathetisch feierte, war geprägt von den Idealen humanistischer Gelehrsamkeit. Durch die Erfuindung des Buchdrucks entstanden neue Publikationsmöglichkeiten und ein größerer literarischer Markt - eine regelrechte „Medienrevolution“.

In dieser Welt agierte Martin Luther, auf dessen Leben exemplarisch zwei Spots gesetzt werden: Zum einen wird der Reichstag zu Worms in den Blick genommen, wo Luthers neuen Ideen auf das traditionelle Weltbild Kaiser Karls V. prallten. Zum anderen wird der Reichstag 1530 beleuchtet, bei dem sich Luthers Position bereits grundlegend verändert hatte. Die Politik bestimmten nun die Reichsfürsten, Martin Luther hingegen war nur noch Berater.

Die Ausbreitung der Reformation hatte sowohl für katholische als auch für die evangelischen Gebiete Folgen, die hier exemplarisch beleuchtet werden. Dabei wird einerseits die Neukonsolidierung der evangelischen Gebieten, andererseits der Versuch, Bayern als Bollwerk des katholischen Glaubens zu etablieren, angesprochen. Schließlich jedoch eröffnete in der Realität der Augsburger Religionsfriede wesentlich mehr Spielraum, als die Satzungen vermuten ließen – und löste neue Konflikte aus.