Verbreitung Die Wappen wurden bald erblich und sogar zu Vertrags- oder Urkundensiegeln umgearbeitet. Dadurch ging der Wappengebrauch seit dem 13. Jahrhundert in nichtritterliche Bevölkerungsteile über. Wappen vertraten nun symbolisch Handwerker, Händler, Familien, Frauen, Geistliche, Bürger und Körperschaften wie Städte, Bistümer und Klöster.
Entwicklung Wappenkunde und Wappenkunst bilden zusammengenommen die „Heraldik", die ihrerseits auf die zahlreichen Aufgaben von Herolden verweist. Als Botschafter, Schiedsrichter und Organisatoren in Personalunion waren diese in Friedens- wie Kriegszeiten der verlängerte Arm von Fürsten und Adligen, von Städten und Turniergesellschaften.
Mit der Zunahme ritterlicher Turniere gegen Ende des 12. Jahrhunderts wuchs die Verantwortung der Herolde, die die Regeln und den Ablauf der Turniere überwachten. Um die Turnierteilnehmer nicht nur an ihren Wappen erkennen, sondern zugleich besser und dauerhaft unterscheiden zu können, legten sie im Laufe der Zeit gemalte Verzeichnisse (Wappenrollen) an, in denen die Wappen-Zeichen systematisch erfasst wurden. Darüber hinaus entwickelten sie eine Fachsprache, das so genannte Blasonieren: grundlegend für die Beurteilung und die Fertigung von Wappen. So wurden Herolde schließlich zu Experten und Archivaren der Heraldik.
Wappen heute In Großbritannien nehmen noch heute Herolde ihre altüberlieferten Funktionen wahr. Hingegen sind in den meisten europäischen Staaten amtliche Stellen für die offizielle Heraldik zuständig. In Deutschland unterliegt die Aufsicht über die kommunale Heraldik den Innenministerien der Länder und zugehörigen Staatsarchiven. Familien-Heraldik ist keine öffentliche Angelegenheit mehr; sie überdauert in der Pflege durch Privatpersonen und Vereine.
Überblick Zu den Kern- und Ursprungsmerkmalen der Wappen zählt der Schild mit Helm und der auf- oder ansitzenden Helmzier mit Helmdecke.
Hauptbestandteile Für viele sind Wappen geradezu identisch mit der einst kriegerischen Schildform, obwohl in feudalen und monarchischen Zeiten Helm, Helmzier und Helmdecke die Wappenbilder nicht weniger dominierten. Bis etwa 1500 entsprach der Wappenschild echten Kampfschilden. Danach breiteten sich vielgestaltige Abweichungen aus, die dem jeweiligen Zeitgeschmack folgten.
Der Verwendung rundum geschlossener Helme (der „Topfhelm" im 12./13. Jahrhundert) verdankt sich letztlich die Entstehung der Heraldik. Denn erst nachdem die individuellen Gesichtszüge gänzlich in der Ritterrüstung verschwanden, wurden die symbol- und signalhaften Wappen-Motive zum Erkennungszeichen auf den Rüstungsteilen. (Mit den Jahrhunderten wandelte sich das Aussehen der Helme in den Wappenbildern – konform den im Feld und in den Turnieren gebräuchlichen Erzeugnissen der Waffenschmiede.)
Schließlich gehört zu einem vollständigen Wappenbild die an oder auf dem Helm befestige Helmzier, die mit der Helmdecke verbunden ist. Diesem Wappenteil entsprach in der Wirklichkeit ein den Helmnacken bedeckendes farbiges Tuch, das wohl die sengenden Sonnenstrahlen vom Eisen abhalten sollte.
Nebenbestandteile Rang, Status und Vorrechte staatlicher, kaiserlich-königlicher und hochadeliger Repräsentanten finden sich durch allerlei Beiwerk in deren Wappen widergespiegelt. In solchen Fällen haben wir es mit heraldischen Nebenbestandteilen zu tun.
Die Liste der Rang- und Würdezeichen enthält Rangkronen, geistliche Hüte, Amtsinsignien, Orden und heraldische Prachtstücke wie Wappenmäntel, Wappenzelte, Schildhalter in Tier- oder Menschengestalt, Fahnen, Banner und Wahlsprüche
Vertiefung
Das bezeichnendste Merkmal jeden Wappens, der Schild, verdient eine
etwas eingehender Betrachtung. Die ältesten Wappenschilde beschränken
sich meist auf zwei „Tinkturen": eine Farbe und ein Metall. Die
Farben sind satte, unvermischte Töne, die wir heute als Primär-
und Sekundärfarben bezeichnen. Das schimmernde, glänzende Metall
erhöht durch Lichtreflektion den Kontrast.
Treten zu den einfachen Farb-Form-Flächen Figuren hinzu (Tiere,
Planzen, Menschen, Gerätschaften, Gebäude etc.), dann nicht in naturalistischer,
sondern in stilisierter Wiedergabe. Das ist verständlich, denn ein
Wappen soll sowohl über weite Entfernung klar erkennbar sein als
auch bei extremer Verkleinerung (etwa in Siegelform) optimal wirken.
Formen Echte Kampfschilde als ursprüngliche Zeichenträger der Wappen gaben lange Zeit den Umriss der Wappenschilde vor. Mit Einführung der Feuerwaffen wurden Schilde kampftechnisch nutzlos, doch ihr symbolischer Nutzen für soziale, wirtschaftliche und genealogische Zwecke bekam Auftrieb. Damit Einher ging ein Experimentieren an der Grundform; überliefert sind zahlreiche dekorative Abwandlungen der alten Wappenform.
Farben „Tinkturen" sind die heraldischen Farben. Es sind die Farben Rot, Blau, Grün, Purpur und Schwarz und die Metalle Gold (Gelb) und Silber (Weiß). Die britische Heraldik benutzt außerdem Orange und ein Rotbraun. Aufwendige Wappen aus neuerer Zeit beinhalten durchaus natürliche, gebrochene Farben, wie bspw. Hauttönungen menschlicher Figuren. Wie auch immer: Die heraldische Orthodoxie beharrt auf einer Gestaltung mit wenigen Tinkturen und mit einfachen Mustern, die an die abstrakte Malerei heutiger Zeit erinnern.
Eine weitere, aber nicht immer konsequent befolgte Grundregel besteht darin, weder Metall auf Metall noch Farbe auf Farbe zu setzen. Farbe und Metall sollten und sollen im Wechsel aufeinander stehen. Eine berühmte Ausnahme stammt sogar aus mittelalterlicher Zeit: das Wappen des goldenen Jerusalemkreuzes auf silbernem Grund.
Zwar ist das Nebeneinander von Farbe und Farbe oder Metall und Metall ebenfalls verpönt, doch hierbei kommt es wesentlich häufiger als beim Aufeinander zu geduldeten Ausnahmen. Ein Beispiel: Die bundesdeutsche Flagge gilt streng genommen als „unheraldisch", da in der Abfolge „Schwarz-Rot-Gold" zwei Farben benachbart sind, statt durch den goldenen Streifen unterbrochen zu sein.
Schnitte Die Trennung der Farben und Metalle geschieht durch „Schnitte". Daraus resultiert ein faszinierender Reichtum an Schnittvariationen und -kombinationen. Es wurden und werden immer neue Schildteilungen entworfen. Das Feld eines Wappenschildes, das mit einer Grundfarbe oder mit Pelzwerk belegt, mit Figuren versehen sein kann, gliedert sich nach einem festen Schema in Plätze. Dieser Grundraster erlaubt eine wappenkundliche Beschreibung und Klassifizierung („Blasionierung"). – Da Wappen aus Trägersicht analysiert werden, sind rechts und links in Beschreibungen vertauscht.

Lesart A (Plätze im einzelnen):
1 rechtes Obereck
2 das Ort oder die Hauptstelle
3 linkes Obereck
5 Herzstelle (ein hier angebrachter kleiner Schild nennt sich Herzschild)
7 rechtes Untereck
9 linkes Untereck
Lesart B (Plätze in Horizontal- und Vertikalrichtung):
Die Plätze 1-3 bilden das Schildhaupt
7-9 den Schildfuß
2-8 die Pfahlstelle
4-6 die Balkenstelle
1-7 die rechte Flanke
3-9 die linke Flanke
Figuren
Die Heraldik spricht von „Gemeinen Figuren". Damit sind belebte
und unbelebte Objekte verschiedenster Art und Kategorie gemeint,
die für die menschliche Erfahrungs- und Vorstellungswelt große Bedeutung
haben und so zu Wappen-Zeichen geraten.
Außer Fabelwesen und Jagdwild, zählt im einzelnen – neben dem Adler
– der Löwe zu den populärsten Wappentieren. Allein die zahllosen
Stellungen und Positionen, in denen der Löwe Wappenschilder „majestätisch
betritt", ist Anlass und Ergebnis heraldischer Kompendien. Verfolgen
Sie ein paar Beispiele aus der langen Reihe wehrhafter Löwen:

Die Tierfiguren werden ebenso
allein wie in allerlei Verbindung zu Gegenständen (Schwerter, Äxte,
Fahnen, Pflanzen) gezeigt. Mitunter sind sie gekrönt, angekettet,
tragen ein Halsband oder sind mit einem Minaturschild garniert.
Nach der strengen Gestaltungsregel sollten sie nicht in natürlicher
Farbgebung, sondern in den heraldischen Grundfarben und Stilisierungen
ausgeführt sein.
Menschliche Artefakte und Produkte (Werkzeuge, Bauten, Lebensmittel)
sind Figuren, die den Wappenträger als Vertreter einer Berufsgruppe,
eines Standes oder Standortes charakterisieren.
Eine anspielungsreiche Unterkategorie im Bereich figürlicher Wappen
sind redende Wappen. In der Art und Weise wie diese den Beruf oder
Inhaber schildern, stellen sie den Betrachter auf eine kleine Probe.
Auf Wortklang, auf semantische Spielereien und auf rebusartige Wort-Bild-Verschränkungen
aufbauende Wappen-Motive waren von Anfang an ungemein beliebt. Vielsagende
Beispiele der Heraldik sind der Mönch im Wappen von München, der
Bär in Berlin, das Kastell von Kastilien.
Hinweise
Zwei empfehlenswerte Bücher zum Thema, aus denen ein Großteil der
hier gezeigten Abbildungen stammen:
Volborth, Carl-Alexander von: Heraldik. Eine Einführung in die Welt
der Wappen, Stuttgart/Zürich, 1989
Neubecker, Ottfried u.a.: Heraldik – Ihr Ursprung, Sinn und Wert,
Frankfurt a.M., 1977
Weitere Literatur
* Volborth, Carl-Alexander von: Das Wappen. Stil und Form, Limburg/Lahn,
1977
* Heraldische Kunstwerkstätten Alfred Dochtermann: Kleine Wappenkunde,
Stuttgart-Botnang, 1947
* Heraldische Kunstwerkstätten Alfred Dochtermann: Grundsätzliches
zur Wappenführung und Wappenannahme, Stuttgart-Botnang, o.J.
* Stadler, K.: Deutsche Wappen – Bundesrepublik Deutschland, Angelsachsen
Verlag 1964-1971, 8 Bände
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„Tappert" (Wappenrock)
eines Herolds; oranischer Wappenrock, 1476

(1) Im 13. Jahrhundert
erscheint der nach wie vor beliebte „Dreiecksschild"
(2) Auch der aus gleicher Zeit stammende „halbrunde Schild"
ist in der heutigen Heraldik gängig
(3) Diese Schildform kam Ende des
15. Jahrhunderts aus Spanien nach ganz Europa
(4) Der schon im 13. Jahrhundert geführte „Rautenschild" wird
im 16. Jahrhundert für Frauenwappen reserviert
(5) Der „Ovalschild" war im 17. und 18. Jahrhundert für Frauen
und Männer gebräuchlich und ist heute in manchen Länder der
Schild verheirateter Frauen
(6)-(9) Die „Tartsche", ein Schild mit Einkerbung für die Lanze,
erscheint erstmals in Italien im 14. Jahrhundert
10) Von der Tartsche abgeleitete Schildform der „Papierheraldik"
11) Italienische Renaissance: „Roßstirnschild" für päpstliche
Wappen
12) Beispiel barocker Verzierung des Schildes am Ende des 16.
Jahrhunderts
von links nach
rechts

– Halb gespalten, geteilt Blau-Silber-Gold
– Gespalten, halbgeteilt Blau-Rot-Silber
– Schwarz-Siber geschacht

– Silber-Rot schrägrechts
gerautet
– Mit Flammenschnitt Rot-Gold geteilt
– Blau mit goldenem Schildrand

– Unter silbernem
Schildhaupt goldene Spitze in Blau
– In Silber ein roter Schildfuß
– In Rot ein silberner Hauptpfahl

– In Schwarz ein
linkes grünes Freiviertel
– In Schwarz ein silberner Zacken-Schrägbalken
– In Blau ein goldener Wellenbalken

– In Rot ein goldener
Ort
– Geviert von Gold und Rot mit silbernem Herzschild
– In Rot eine silberne Raute

Villingen im Schwarzwald:
Silber-Blau gespalten, darauf ein golden bewehrter roter Adler
(heraldische Manier)

Die Schuhmacher,
die Brauer, die Bäcker von Augsburg

Redende Wappen:
Eberbach, Rudersberg, Rüdenhausen

Redende Wappen:
von Rosen, Holzschuher von Harrlach, drei Löffel („spoons")
als redendes Wappen eines Herrn Sponeley