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Kaiser Heinrich II.
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Der Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2002 "Kaiser Heinrich II." ist ein weiterer Beitrag zu den großen Mittelalter-Ausstellungen der letzten Jahre. Er widmet sich einem in seiner Machtpolitik bedeutsamen Herrscher, der die lange Regierungszeit von 22 Jahren erreichte und trotzdem bei Weitem weniger im Bewusstsein ist wie etwa Karl der Große, Otto der Große oder Friedrich Barbarossa. Zur Ausstellung ist ein Spiel auf CD erschienen "Burgund - ein Reiseabenteuer"; in der Reihe "Schätze aus bayerischen Bibliotheken auf CD" wird das "Perikopenbuch Heinrichs II. Eine Handschrift zum Blättern" angeboten. In derselben Reihe ist eine CD-ROM erschienen mit dem Regensburger Sakramentar und dem Uta-Codex.
Inhaltsverzeichnis
Kaiser Heinrich II. Bayerische Traditionen und europäischer Glanz (Stefan Weinfurter) Die einzigartig geliebte Stadt. Heinrich II. und Bamberg (Bernd Schneidmüller) Prachtvolle Bücher zur Zierde der Kirchen (Gude Suckale-Redlefsen) Goldener Schmuck für Kirche und Kaiser (Gude Suckale-Redlefsen) Die Ausgrabungen im Bamberger Dom (Walter Sage) Katalog: Leben in Bodennähe - Die Heinriche - Der neue König - Bamberg als Modell - Der Kaiser - Der Friedenskuss - Unterwegs im Reich - Erinnerungen - Prachtvolle Bücher - Bildung und Wissenschaft - Goldener Schmuck - Papstgewänder - Das heilige Kaiserpaar - Die Kaisermäntel - Der Bamberger Dom als Erinnerungsort
Ein Herrscher am Ende der Zeiten, ein Herrscher in der Mitte des Mittelalters, Herzog, König, Kaiser, Heiliger - welch ein Aufstieg! Trotzdem ist Heinrich II. viel weniger im Bewusstsein als Karl der Große, Otto der Große oder Friedrich Barbarossa. Schon seine Wertschätzung durch Zeitgenossen und Nachwelt trägt zwiespältige Züge: Großzügiger Stifter herrlicher Kunstwerke und rücksichtsloser "Räuber" wertvoller Handschriften für seine Stiftung Bamberg. Ein strenger Herr, unerbittlich und unnachgiebig auf der einen Seite, Friedensstifter und Diplomat auf der anderen Seite. Ein Inszenator seiner von Gott gegebenen Herrscherwürde, der gekonnt auf der Klaviatur der Macht und Selbstdarstellung spielt. Ein König, der sich als Kollege seiner Bischöfe sieht und darum wie selbstverständlich in ihre Belange eingreift. Ein Herrscher, dem - nach den Vorstellungen seiner Zeit - Wichtiges versagt blieb: die Sicherung der Nachfolge durch einen Sohn. Ein Heiliger, dessen gute Werke der Legende nach gerade einmal ausreichten, um sein Seelenheil zu retten. Ein Kaiser schließlich, der höchstes Lob auf sich zog: Als "Zierde Europas" wird er auf dem kostbaren Sternenmantel bezeichnet, den ihm der apulische Fürst Ismael schenkte. Die Bayerische Landesausstellung 2002 will all diesen Überlieferungen nachspüren, die durch die Rhetorik des Herrscherlobs und die Kraft der Legenden geprägt sind. Sie ist am richtigen historischen Ort zu sehen, in Bamberg, von Heinrich II. zu einem bevorzugten Aufenthaltsort gemacht. Das verleiht ihr Authentizität. Solche Authentizität ist auch in dem Versuch zu sehen, eine mittelalterliche Herrscherfigur heute aus unterschiedlichen Blickwinkeln lebendig werden zu lassen, aus der Geschichte, der Kunst, der Wissenschaft, der Frömmigkeit, der Liturgie und dem Leben. Diese Ausstellung strebt im Rückblick eines Jahrtausends bewusst mehrere Blickwinkel an. Auf dem Bamberger Domplatz wird ein mittelalterliches Gehöft nachgebaut, das eine Ahnung von den Existenzbedingungen der Menschen zur mittelalterlichen Jahrtausendwende geben will: Das bescheidene "Leben in Bodennähe" steht vor der gewaltigen Kulisse des Dombaus, der schon zu seiner Entstehungszeit Bewunderung erregte. In der Alten Hofhaltung illustrieren archäologische Funde das Wohnen, das Arbeiten, das Zusammenleben der Gesellschaft in einer Zeit des Übergangs von heidnischen Religionen, wie sie noch bei der slawischen Bevölkerung dieser Gegend zu finden sind, zum Christentum. Die endgültige Einbindung Polens und Ungarns in das christliche Abendland zählt zu den nachhaltigen Wirkungen der Zeit Heinrichs II. Die Ausstellung stellt sich in den Reigen der großen Mittelalter-Ausstellungen "799. Kunst und Kultur der Karolingerzeit" in Paderborn oder "Otto der Große, Magdeburg und Europa" in Magdeburg. Wie diese bringt sie einzigartige Leihgaben von europäischem Rang zusammen. Bewusst wird aber eine bloße Schatzkammer singulärer Glanzstücke vermieden. Vielmehr steht in Bamberg die Einbindung der präsentierten Zimelien - Prachthandschriften, Goldschmiedekunst, einzigartige Textilien - in ihre Entstehungszusammenhänge und ursprüngliche Funktion im Vordergrund. Der berühmte Sternenmantel Heinrichs II. begegnet nicht nur als Objekt kunsthistorischer Begierde, sondern auch als Zeichen mittelalterlicher Herrschaftspraxis. Dasselbe gilt für die Handschriften, die hier teilweise an ihren geschichtlichen Ort zurückkehren. Sie treten nicht nur als Spitzenwerke der mittelalterlichen Buchkunst hervor, sondern bezeugen vor allem den Stifterwillen Heinrichs II. Er wollte Gedächtnis schaffen, Kirchen stärken, Bildung befördern und vor allem sein eigenes Seelenheil sichern. Solches Mäzenatentum versammelte vor einem Jahrtausend liturgische Prachtcodices und kostbare Kirchengeräte in Bamberg. Solche Stiftungen erfolgten aus der Sorge um die Memoria des Kaiserpaars, um die Erinnerung. Das Gebetsgedenken der Begünstigten bot nämlich nach damaliger Anschauung Schutz am Ende der Zeiten. Der Ausstellungsrundgang wird darum sinnfällig beschlossen mit dem Bamberger Dom als dem eigentlichen Ort der mittelalterlichen Gedächtniskultur. Hier erhielten sich die unmittelbarsten Zeugnisse des Kaiserpaars. Die Reliquiare mit den Häuptern Heinrichs II. und Kunigundes sind hier geborgen - und werden bis heute verehrt. In der Stiftung wie in der Verehrung treten Selbstverständnis und Hoffnung eines mittelalterlichen Herrschers hervor, der sich auf seine göttliche Bestimmung berief. Die Ausstellung zeigt auch die wichtigsten Etappen seiner 22-jährigen Regierungszeit. Heinrich II. war ständig in seinem Reich unterwegs. Dieses "Reisekönigtum" mit seinen kaum vorstellbaren Strapazen stellt die Politikerreisen heutiger Tage weit in den Schatten. Dabei war gerade das ständige Unterwegssein die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Herrschaft: Durch seine Anwesenheit schuf der König Frieden, Ruhe, Recht und Ordnung. Die Ausstellung will den vielen Exponaten, die heute oft nur mehr als Kunstwerk aufgefasst werden, im Abstand eines Jahrtausends wenigstens einen Teil ihrer historischen Aussagekraft zurückgeben. Sie stellt neben die beiden Schatzhäuser aus Gold und Pergament und neben den Dom als originären Ort von Frömmigkeit und Liturgie ganz bewusst historische und archäologische Rekonstruktionen. Gewiss sind das bescheidene Hilfen zum Begreifen vergangener Wirklichkeiten. Doch nur in solchen Modellen und Inszenierungen formt unsere Phantasie die Abbilder eines Herrschers und seiner Zeit, in der das heutige Europa seine ersten Konturen gewann. In den Verformungen eines langen Jahrtausends begegnet uns Heinrich II., der "Erneuerer des Reichs", umgeben von den Großen seiner Zeit, seinen Ratgebern, Widersachern, Chronisten, seiner Frau Kunigunde und den Menschen - in Bamberg, seiner "einzigartig geliebten Stadt".
Inhaltsverzeichnis
Kaiser Heinrich II. Bayerische Traditionen und europäischer Glanz (Stefan Weinfurter) Die einzigartig geliebte Stadt. Heinrich II. und Bamberg (Bernd Schneidmüller) Prachtvolle Bücher zur Zierde der Kirchen (Gude Suckale-Redlefsen) Goldener Schmuck für Kirche und Kaiser (Gude Suckale-Redlefsen) Die Ausgrabungen im Bamberger Dom (Walter Sage) Katalog: Leben in Bodennähe - Die Heinriche - Der neue König - Bamberg als Modell - Der Kaiser - Der Friedenskuss - Unterwegs im Reich - Erinnerungen - Prachtvolle Bücher - Bildung und Wissenschaft - Goldener Schmuck - Papstgewänder - Das heilige Kaiserpaar - Die Kaisermäntel - Der Bamberger Dom als Erinnerungsort
Ein Herrscher am Ende der Zeiten, ein Herrscher in der Mitte des Mittelalters, Herzog, König, Kaiser, Heiliger - welch ein Aufstieg! Trotzdem ist Heinrich II. viel weniger im Bewusstsein als Karl der Große, Otto der Große oder Friedrich Barbarossa. Schon seine Wertschätzung durch Zeitgenossen und Nachwelt trägt zwiespältige Züge: Großzügiger Stifter herrlicher Kunstwerke und rücksichtsloser "Räuber" wertvoller Handschriften für seine Stiftung Bamberg. Ein strenger Herr, unerbittlich und unnachgiebig auf der einen Seite, Friedensstifter und Diplomat auf der anderen Seite. Ein Inszenator seiner von Gott gegebenen Herrscherwürde, der gekonnt auf der Klaviatur der Macht und Selbstdarstellung spielt. Ein König, der sich als Kollege seiner Bischöfe sieht und darum wie selbstverständlich in ihre Belange eingreift. Ein Herrscher, dem - nach den Vorstellungen seiner Zeit - Wichtiges versagt blieb: die Sicherung der Nachfolge durch einen Sohn. Ein Heiliger, dessen gute Werke der Legende nach gerade einmal ausreichten, um sein Seelenheil zu retten. Ein Kaiser schließlich, der höchstes Lob auf sich zog: Als "Zierde Europas" wird er auf dem kostbaren Sternenmantel bezeichnet, den ihm der apulische Fürst Ismael schenkte. Die Bayerische Landesausstellung 2002 will all diesen Überlieferungen nachspüren, die durch die Rhetorik des Herrscherlobs und die Kraft der Legenden geprägt sind. Sie ist am richtigen historischen Ort zu sehen, in Bamberg, von Heinrich II. zu einem bevorzugten Aufenthaltsort gemacht. Das verleiht ihr Authentizität. Solche Authentizität ist auch in dem Versuch zu sehen, eine mittelalterliche Herrscherfigur heute aus unterschiedlichen Blickwinkeln lebendig werden zu lassen, aus der Geschichte, der Kunst, der Wissenschaft, der Frömmigkeit, der Liturgie und dem Leben. Diese Ausstellung strebt im Rückblick eines Jahrtausends bewusst mehrere Blickwinkel an. Auf dem Bamberger Domplatz wird ein mittelalterliches Gehöft nachgebaut, das eine Ahnung von den Existenzbedingungen der Menschen zur mittelalterlichen Jahrtausendwende geben will: Das bescheidene "Leben in Bodennähe" steht vor der gewaltigen Kulisse des Dombaus, der schon zu seiner Entstehungszeit Bewunderung erregte. In der Alten Hofhaltung illustrieren archäologische Funde das Wohnen, das Arbeiten, das Zusammenleben der Gesellschaft in einer Zeit des Übergangs von heidnischen Religionen, wie sie noch bei der slawischen Bevölkerung dieser Gegend zu finden sind, zum Christentum. Die endgültige Einbindung Polens und Ungarns in das christliche Abendland zählt zu den nachhaltigen Wirkungen der Zeit Heinrichs II. Die Ausstellung stellt sich in den Reigen der großen Mittelalter-Ausstellungen "799. Kunst und Kultur der Karolingerzeit" in Paderborn oder "Otto der Große, Magdeburg und Europa" in Magdeburg. Wie diese bringt sie einzigartige Leihgaben von europäischem Rang zusammen. Bewusst wird aber eine bloße Schatzkammer singulärer Glanzstücke vermieden. Vielmehr steht in Bamberg die Einbindung der präsentierten Zimelien - Prachthandschriften, Goldschmiedekunst, einzigartige Textilien - in ihre Entstehungszusammenhänge und ursprüngliche Funktion im Vordergrund. Der berühmte Sternenmantel Heinrichs II. begegnet nicht nur als Objekt kunsthistorischer Begierde, sondern auch als Zeichen mittelalterlicher Herrschaftspraxis. Dasselbe gilt für die Handschriften, die hier teilweise an ihren geschichtlichen Ort zurückkehren. Sie treten nicht nur als Spitzenwerke der mittelalterlichen Buchkunst hervor, sondern bezeugen vor allem den Stifterwillen Heinrichs II. Er wollte Gedächtnis schaffen, Kirchen stärken, Bildung befördern und vor allem sein eigenes Seelenheil sichern. Solches Mäzenatentum versammelte vor einem Jahrtausend liturgische Prachtcodices und kostbare Kirchengeräte in Bamberg. Solche Stiftungen erfolgten aus der Sorge um die Memoria des Kaiserpaars, um die Erinnerung. Das Gebetsgedenken der Begünstigten bot nämlich nach damaliger Anschauung Schutz am Ende der Zeiten. Der Ausstellungsrundgang wird darum sinnfällig beschlossen mit dem Bamberger Dom als dem eigentlichen Ort der mittelalterlichen Gedächtniskultur. Hier erhielten sich die unmittelbarsten Zeugnisse des Kaiserpaars. Die Reliquiare mit den Häuptern Heinrichs II. und Kunigundes sind hier geborgen - und werden bis heute verehrt. In der Stiftung wie in der Verehrung treten Selbstverständnis und Hoffnung eines mittelalterlichen Herrschers hervor, der sich auf seine göttliche Bestimmung berief. Die Ausstellung zeigt auch die wichtigsten Etappen seiner 22-jährigen Regierungszeit. Heinrich II. war ständig in seinem Reich unterwegs. Dieses "Reisekönigtum" mit seinen kaum vorstellbaren Strapazen stellt die Politikerreisen heutiger Tage weit in den Schatten. Dabei war gerade das ständige Unterwegssein die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Herrschaft: Durch seine Anwesenheit schuf der König Frieden, Ruhe, Recht und Ordnung. Die Ausstellung will den vielen Exponaten, die heute oft nur mehr als Kunstwerk aufgefasst werden, im Abstand eines Jahrtausends wenigstens einen Teil ihrer historischen Aussagekraft zurückgeben. Sie stellt neben die beiden Schatzhäuser aus Gold und Pergament und neben den Dom als originären Ort von Frömmigkeit und Liturgie ganz bewusst historische und archäologische Rekonstruktionen. Gewiss sind das bescheidene Hilfen zum Begreifen vergangener Wirklichkeiten. Doch nur in solchen Modellen und Inszenierungen formt unsere Phantasie die Abbilder eines Herrschers und seiner Zeit, in der das heutige Europa seine ersten Konturen gewann. In den Verformungen eines langen Jahrtausends begegnet uns Heinrich II., der "Erneuerer des Reichs", umgeben von den Großen seiner Zeit, seinen Ratgebern, Widersachern, Chronisten, seiner Frau Kunigunde und den Menschen - in Bamberg, seiner "einzigartig geliebten Stadt".
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